Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V.

 

Gedenkstätte beim KZ-Friedhof Schömberg (Lernort)

  Bilder der Gedenkstätte beim KZ-Friedhof Schömberg

Bilder der Gedenkstätte beim KZ-Friedhof Schörzingen
 

                 


Ab August 1945 veranlasste die französische Militärregierung Exhumierungsarbeiten im Schönhager Loch, wo sich die Massengräber des Lagers Dautmergen befanden. Die 1755 Toten wurden auf einem Feld, das etwa einen Kilometer entfernt an der Straße von Schömberg nach Dautmergen liegt, umgebettet. Es entstand der KZ-Friedhof Schömberg, eingeweiht am 23. Oktober 1946. In seiner Rede zur Einweihung formulierte Carlo Schmid in seiner Eigenschaft als Präsident der von der Besatzungsmacht eingesetzten provisorischen Regierung von Südwürttemberg-Hohenzollern unter anderem: 
"Wir haben uns zusammengefunden, um derer zu gedenken, die in den Lagern im Kreis Balingen verbrecherisch zu Tode gebracht worden sind. Man hat diese Menschen, die keine Schuld auf sich geladen hatten, hierher gebracht, um an der Kriegsmaschine ihres verhassten Feindes zu arbeiten. Und wenn sie krank und siech geworden waren und wenn der Hunger sie zu Gerippen gemacht hatte, haben ihre Folterknechte sie krepieren lassen."

Ursprünglich bekam jedes Grab ein Holzkreuz. Die vielen Holzkreuze wurden später ersetzt durch wenige Gruppen von Steinkreuzen. Ein besonderes Mahnmal, aufgestellt im Jahr 1970 am Rand des Gräberfeldes, erinnert an die 760 Juden, die im Lager Dautmergen ihr Leben verloren und unter diesen Kreuzen bestattet sind.

Immer wieder wurde von verschiedenen Seiten bemängelt, dass der Friedhof zwar würdig gestaltet sei, dass es aber an Information fehle. In den Jahren zwischen 2004 und 2008 machte sich deshalb die Initiative Gedenkstätte Eckerwald daran, diese Lücke zu schließen. Ursprünglich war geplant, hierfür die Exponate einer Ausstellung zu verwenden, die der Geschichtslehrer Irmund Opfermann mit Schülern des Balinger Gymnasiums erarbeitet und an verschiedenen Orten präsentiert hatte. Als sich abzeichnete, dass sich die äußeren Gegebenheiten hierfür nicht eigneten, legte das Architekturbüro von Helmut Morlok / Isny unter der Federführung von Edwin Heinz einen Entwurf vor, der in zwei Etappen verwirklicht wurde.

Zunächst wurde im Zentrum der neuen Gedenkstätte ein Betonkubus aufgestellt, auf dem - eingraviert in große Glasplatten - die 1774 Namen der Toten der Lager Dautmergen und Schömberg aufgeführt sind. Walter Looser-Heidger hatte in akribischer Kleinarbeit aus den Sterberegistern, aus dem Nummernbuch von Natzweiler und aus Transportlisten die Namen rekonstruiert. "Den Opfern ihre Namen zurückgeben", so lautete das Motto. Im Rahmen einer Gedenkfeier wurde am 22. April 2007 dieser Teil der neuen Gedenkstätte der Öffentlichkeit übergeben.

Für die eigentliche Information wurden vier thematische Inseln geschaffen, jeweils ausgestattet mit drei großflächigen Informationstafeln. Die vier Themen lauten: "Gruben und Gräber", "Die Realität des KZ", "KZ-Häftlinge" und "Das Unternehmen Wüste". Die dreieckige Anordnung der Tafeln soll an die Form des "Winkels" erinnern, den jeder KZ-Gefangene auf seinem Häftlingsanzug trug und dessen Farbe über den Grund der KZ-Haft Auskunft gab. Um die Tafeln zu studieren, muss sich der Besucher ins Innere der Dreiecke hineinbegeben. Er erhält anschaulich und detailliert Auskunft über das Geschehen, über die Verhältnisse in den Lagern des Unternehmens Wüste, vor allem im Lager Dautmergen, über die Schinderei auf den Ölfeldern, über Häftlingstransporte, über die Evakuierungsmärsche, über Belegzahlen, überTodesziffern und vor allem auch über Einzelschicksale. Erarbeitet wurden die Exponate von Mitgliedern der Initiative Eckerwald: Gertrud Graf, Walter Looser-Heidger, Heinrich Maier und Irmund Opfermann. Zur Finanzierung trugen eine Reihe von öffentlichen bzw. politischen Institutionen, Firmen, aber auch private Spender bei. Stellvertretend seien zwei genannt: Serge Lampin (Frankreich), ehemaliger Häftling des Lagers Dautmergen, und Kari Riis (Norwegen), Schwester des Häftlings Per Sanvold, der am 13. Dezember 1944 im Lager Dautmergen starb.



Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V.