Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V.

 

                      Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V.


Bericht über die Ausstellungseröffnung
"Galerie der Aufrechten"
am 23.11. 2017
von Heide Friederichs

 "Aufrecht durchs Leben gehen", das scheint dem Gastredner bei der Ausstellungseröffnung "Galerie der Aufrechten -  bekannte und unbekannte Menschen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus " eine unmögliche Anforderung, aber dass sich Menschen gegen das Unrecht gestellt hätten, das zeige die Galerie derer, die sich aufgerichtet haben, verwies Religionslehrer Fritz Knoll-Schöne in seinem Vortrag über die Geschwister Scholl von der Widerstandsgruppe der Weißen Rose. 



Portrait von Sophie Scholl
in der Ausstellung "Galerie der Aufrechten "

Sophie und Hans Scholl zählen zu den porträtierten Menschen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, einem Projekt, das vom Studentenwerk Weiße Rose getragen wird und im Denkstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben von dem inzwischen verstorbenen Wolfgang Marcus initiiert worden war. 

 
Bürgermeister Christian Ruf dankte in seiner Begrüßung der Gedenkstätte Eckerwald zu ihrer Initiative, diese Ausstellung nach Rottweil gebracht zu haben und zu ihrem langjährigen Engagement gegen das Vergessen. Er freue sich , die Ausstellung im Alten Rathaus während der Öffnungszeiten (bis 19.12.2017) vielen Besuchern zugänglich zu machen. 

Fritz Knoll-Schöne Vortrag über die Geschwister Scholl , vor dem Ausstellungsportrait von Sophie Scholl.
 

Fritz Knoll-Schöne zeichnete in seinem fundierten Vortrag die Wende der Geschwister Scholl von begeisterten Anhängern Adolf Hitlers in der Hitlerjugend zu zweifelnden Kritikern des Nationalsozialismus und nach dem Bekanntwerden der Verbrechen im Zweiten Weltkrieg zu aktiven Widerstandskämpfern. Die junge Sophie fühlte sich stark und  stolz von den Ideen des Nationalsozialismus berührt, doch sie mußte aufgrund ihrer christlich-bürgerlichen Erziehung und ihrer Beschäftigung mit Literatur und Philosophieerkennen, folgerte Schöne, dass die Ideologie des NS keine geistige Freiheit ermöglichte. Auf der Suche nach der höchsten Wahrheit vermerkte die spätere Studentin:  "Das Denken  hat Vorrang vor den Gefühlen" , was sie zu aktivem Handeln zwang, dem sinnlosen Sterben des Krieges etwas entgegenzusetzen mit den bekannten Konsequenzen ihrer grausamen Ermordung durch den damaligen Volksgerichtshof. Eindrücklich zeichnete Knoll-Schöne ihre Entwicklung nach, die Lügen zu durchschauen: Das Böse komme im Gewand des Guten daher und es gelte Nein zu sagen: Nein zum Rassismus, nein zum Antisemitismus , nein zum Totalitarismus, aber Ja zur Freiheit!  

Ausstellungseröffnung "Galerie der Aufrechten" im Alten Rathaus , links vorn Willi Koch , zweiter Vorsitzender der Initiative Gedenkstätte Eckerwald, folgend Sänger Georg Hattler und Besucher   
 

Stellvertretend in der Ausstellung stehe die Weiße Rose für die vielen anderen aufrechten Menschen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, erläuterte Willi Koch , zweiter Vorsitzender der Initiative Gedenkstätte Eckerwald, den Besuchern. 28 Künstler haben 60 Portraits von Menschen des Widerstands gegen die Gewaltherrschaft und Opfer des NS-Regimes angefertigt . Viele Opfer seien aus dem süddeutschen Raum , das betone die Regionalität , aber auch aus dem damaligen Reichsgebiet , was auf den gesamten Widerstand hinweise. Menschen des christlichen, des jüdischen und des geistigen Widerstands sind in der Rottweiler Ausstellung zu sehen; Menschen des militärischen, politischen und des Arbeiterwiderstands in der Stauffenberg Gedenkstätte Lautlingen.  
 
Drei Beispiele in der Ausstellung stehen für Menschen, die nicht vor Unrecht geschwiegen haben: Paul Schneider, "Prediger von Buchenwald" , zur Bekennenden Kirche gehörend, wurde im KZ Buchenwald am 18. Juli 1939 ermordet. Mordechai Gebirtig aus Krakau ,der Widerstandslieder aus dem Krakauer Ghetto verfasst hatte, wurde am 4. Juni 1942 von  deutschen Besatzungssoldaten erschossen. Kurt Hahn, Begründer der reformpädagogischen Schule in Salem, stellte sich gegen die Gewalttaten der NS und weigerte sich offen, die Jugend für den faschistischen Staat zu erziehen. Das brachte ihm die Entlassung aus dem Schuldienst ; Hahn konnte nach England emigrieren.
 
Sehr stimmig den musikalischen Ton treffend sang Georg Hattler zur Gitarre einzelne Widerstandslieder.