Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V.

 

Die Teilnehmer der Begegnungsfahrt / 25.März 2017

Begegnungsfahrt der Initiative Gedenkstätte Eckerwald zum 30jährigen Bestehen zum KZ Oberer Kuhberg in Ulm und nach Laupheim ins Museum zur Geschichte von Christen und Juden

Das 30jährige Bestehen der Initiative Gedenkstätte Eckerwald vom Komplex Wüste-Lager wurde mit einer Begegnungsfahrt  begangen. Die Vorsitzende Brigitta Marquart -Schad konnte neben Gründungsmitgliedern der Gedenkstätte Eckerwald weitere Mitglieder, Dolmetscher, Mitglieder der neu gegründeten Initiative KZ Gedenken Spaichingen und des Vereins Ehemalige Synagoge Rottweil, Museumsleiter  aus Spaichingen und Aldingen, Mitglieder der Überlinger Initiative "Goldbachstollen" begrüßen. Unter der organisatorischen Leitung von Alfons Bulach und Willi Koch besuchte die Initiative die KZ Gedenkstätte Oberer Kuhberg in Ulm, das Museum und den jüdischen Friedhof in Laupheim, eine der größten jüdischen Gemeinden im Königreich Württemberg.  

"Die Würde des Menschen  ist unantastbar" strahlte in Neonlicht den Besuchern beim Eintreten  in das massive Festungsfort aus dem 19. Jhd. entgegen.

Gedenkstättenleiterin Nicola Wenger und ihre Mitarbeiterin Annette Lein führten durch das Dokumentationszentrum und berichteten über die Funktion des Oberen Kuhberg im Nationalsozialismus. In den ersten Jahren von 1933 - 1935 begann dort sichtbar der Prozess der Zerstörung der Demokratie in unglaublicher Geschwindigkeit, denn das KZ diente in erster Linie dazu, die politische Oppositon zu brechen. Die ersten Häftlinge ab 1933, ausschließlich Männer im KZ , waren gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und prominente SPD-und KPD-Politiker: z.B. Kurt Schumacher- der sich nach 1945 mit großer Kraft für die Demokratie eingesetzt hatte - oder Alfred Haag. 800 Männer mussten hier unter 120 Wachleuten aus SA,SS,Schutzpolizei unter erbärmlichsten Bedingen fristen, z.T. in Isolierhaft. Willkür, sinnlose demütigende Häftlingsarbeiten waren Alltag. Die Männer sollten in nur wenigen Monaten als gebrochene Menschen entlassen und zur Abschreckung in der Bevölkerung dienen - war das perfide Ziel der NS-Machthaber, berichtete Nicola Wenger. Die dortige Ausstellung zeigt aufgearbeitete Biographien Inhaftierter, aber auch die der Täter; berüchtigt für Willkür und Brutalität war Kommandant Karl Buck - der nach 1945 nie zur Rechenschaft gezogen wurde.

Für die Besuchergruppe bedrückend war der Gang durch die völlig ungeeigneten Haftzellen im Untergeschoss des Festungsforts, in denen die Häftlinge unter absolut Menschen-unwürdigen Bedingungen festgehalten worden waren. Noch heute ließen Kälte, Nässe und  Dunkelheit die Besucher erahnen, was die Inhaftierten damals durchmachen mussten.   

Nur großem bürgerschaftlichem Engagement der Ulmer Bevölkerung sei es zu verdanken, dass die KZ-Geschichte vor Ort überhaupt aufgearbeitet wurde, erst spät beteiligten sich die Stadt Ulm, noch später das Land Baden - Württemberg mit finanzieller Unterstützung an der Einrichtung und dem Erhalt des Dokumentationszentrums KZ Oberer Kuhberg.

Großen Raum nehme heute die Weitergabe an die junge Generation ein ( 8- 9000 Besucher, überwiegend Jugendliche zählt die Gedenkstätte jährlich), betonten die beiden Gedenkstättenführerinnen, und sprachen damit eine gemeinsame Aufgabe an, die alle Gedenkstätten herausfordert.  

Die zweite Station ihrer Begegnungsfahrt war das Museum Schloß Laupheim.Beim Rundgang durch die Daueraustellung zur "Geschichte von Christen und Juden" erläuterte Museumsleiter Michael Niemetz  anhand der chronologisch aufgebauten Ausstellungsdokumente die Ansiedelung der Juden in Laupheim ab 1730, ihre Assimilation und Integration ins Bürgertum bis zu ihrer Emigration oder Deportation unter dem Nationalsozialismus. Auch die Aufarbeitung der jüngsten jüdischen Vergangenheit durch die Laupheimer Bevölkerung werde vermittelt , an der nicht zuletzt ehemalige jüdische Laupheimer mitgewirkt hätten. z.B. die Olympiasportlerin Gretl Bergmann( ihr wurde 1936 die Teilnahme verwehrt),die an der Berliner Charitee arbeitende Ärztin Hera N. Einstein oder die Geschichte der Familie Steiner.Laupheim zeige eine gelungene Geschichte der Assimilation im 19.Jhd., die nur noch museal fortbesteht , denn es gibt keine jüdische Gemeinde mehr. Und sie zeige, so Museumsleiter Niemetz, dass Kultur die Menschen zusammenhält.  

Ein Besuch des jüdischen Friedhofs und des 2014 renovierten ehem. Leichenhauses am Friedhof bildete den Abschluss der Begegnungsfahrt . Der gut erhaltene und ehrenamtlich gepflegte Friedhof - ungewöhnlich und unzerstört mitten in  der Stadt - bestand von 1730 bis 1941 mit über 1200 bekannten Bestattungen. Michael Schick erläuterte den Besuchern die symbolischen Grabzeichen und die Bestattungsrituale. Dieser Gang durch die vielen von der Abendsonne beschienenen Grabsteine hatte etwas Versöhnliches und spiegelte die Versöhnungsgeschichte Laupheimer Bürger - Christen und Juden - wider."

Heide Friederichs   ,  28.März 2017


Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V.

 

 

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